LEITFADEN FÜR EXISTENZGRÜNDER

Existenzgründung im Handwerk oder handwerksnahem Bereich
in Lüchow-Dannenberg

Sie liebäugeln schon lange mit der Idee, sich selbstständig zu machen und ein eigenes Unternehmen zu leiten? Dann sollten Sie sich grundsätzlich fragen, ob Sie ein neues Unternehmen von Grund auf aufbauen oder ein bereits bestehendes Unternehmen übernehmen und weiterentwickeln möchten.
In diesem Leitfaden geben wir Ihnen sieben Tipps an die Hand, wie Sie Ihr eigenes Unternehmen gründen können – unabhängig davon, ob Sie aus einem Angestelltenverhältnis, aus der Selbständigkeit oder aus der Arbeitslosigkeit heraus starten.

Bei der Gründung Ihres Unternehmens oder der Unternehmensübernahme begleitet Sie gerne:
Wirtschaftsförderung Lüchow-Dannenberg, Salzwedeler Str. 13, 29439 Lüchow, Tel. 05841/97 31 395 oder info@wirtschaft-dan.de

1. DIE HANDWERKSROLLE – ZULASSUNGSPFLICHTIG ODER ZULASSUNGSFREI?

Im Handwerk gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, eine Gründung zu realisieren: zulassungspflichtig oder zulassungsfrei.

Bei der Gründung eines zulassungspflichtigen Handwerksbetriebs muss ein Eintrag in die „Handwerksrolle“ erfolgen. Der Eintrag in diesem Verzeichnis soll der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit oder das Leben Dritter durch eine unsachgemäße Handwerksausübung dienen. Wer ein zulassungspflichtiges Handwerk ohne Eintrag in der „Handwerksrolle“ ausübt, handelt ordnungswidrig und wird mit Geldbußen bestraft!

Bei der Neugründung eines zulassungspflichtigen Handwerksbetriebs muss der Gründer zudem einen Meisterbrief vorlegen, der von der Handwerkskammer ausgestellt wurde – oder eine gleichgestellte Prüfung vorweisen. Eine Gründung ohne Meisterprüfungszeugnis ist nur dann möglich, wenn der Gründer über eine mindestens sechsjährige Berufserfahrung als Geselle verfügt und davon mindestens vier Jahre in leitender Position gearbeitet hat. Höhere Ausbildungen, wie beispielsweise ein Hochschulabschluss, werden ebenfalls anerkannt, sofern die Ausbildung dem jeweiligen Handwerksberuf entspricht. Hat der Gründer keine Meisterprüfung abgelegt, möchte aber dennoch ein zulassungspflichtiges Gewerbe gründen, kann er auch einen Betriebsleiter einstellen, der über ein entsprechendes Meisterzeugnis verfügt.

Für die Gründung eines zulassungsfreien Handwerksbetriebs oder handwerksähnlichen Gewerbes müssen keine besonderen beruflichen Voraussetzungen erfüllt werden. Trotzdem ist es auch in diesen Fällen sinnvoll, wenn der Gründer über Erfahrung im entsprechenden Beruf verfügt. Auch einen Meisterbrief zu haben, schadet nicht, schließlich gilt er auch hier als Gütesiegel. Die Existenz- bzw. Betriebsgründung muss in diesen Fällen in das „Verzeichnis für zulassungsfreie Handwerke und handwerksähnliche Betriebe“ bei der Handwerkskammer eingetragen werden. Weitere Informationen zum Thema.

Wichtiger Ansprechpartner:
Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, Friedenstr. 6, 21335 Lüneburg, Tel. 04131/7120

2. DIE GESCHÄFTSIDEE

Bei der Entwicklung der Geschäftsidee sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  •  Was wird angeboten?
  •  Wo soll der Betriebsstandort liegen?
  •  Welche Eigenmittel (Geschäftsräume) sind schon vorhanden?
  •  Welche Rechtsform soll der Betrieb erhalten?
  •  Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden?
  •  Wie wirtschaftlich ist meine Idee – kann ich am Ende damit Geld verdienen?

3. RAHMENBEDINGUNGEN ERMITTELN

Am Anfang einer erfolgreichen Unternehmensgründung steht eine gute Planung. Dabei ist es wichtig, dass Sie Ihre Geschäftsidee sowie Ihre persönliche und fachliche Eignung auch kritisch betrachten:

  1. Existiert Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung bereits auf dem Markt? Unterscheidet sich das Angebot von anderen – etwa durch einen besonderen Service?
  2. Sind Preis und Qualität aufeinander abgestimmt?
  3. Haben Sie die Zielgruppen sorgfältig ermittelt?
  4. Sind Ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse überdurchschnittlich und auf dem neuesten Stand?
  5. Sind Sie körperlich und geistig belastbar sowie hundertprozentig engagiert?
  6. Können Sie sich Ziele setzen und diese konsequent verfolgen?
  7. Steht Ihre Familie hinter Ihnen?
  8. Verfügen Sie über grundlegendes kaufmännisches Wissen? Haben Sie fachliche oder kaufmännische Hilfe?
  9. Haben Sie Erfahrung im Umgang mit Menschen und macht Ihnen dieser Spaß?

    Weitere Informationen

Wenn Sie diese Punkte alle positiv beantworten können, sind Sie bereit für den nächsten Schritt in Richtung Existenzgründung.

Hilfreiche Links für die Preiskalkulation auf:
existenzgründer.de
handwerk-magazin.de
handwerksblatt.de

Hilfreiche Links zum Thema Zielgruppe auf:
fuer-gruender.de
gruenderlexikon.de

4. BUSINESSPLAN ERSTELLEN

Idealer Weise beginnen Sie bei Ihrem Businessplan mit einer Einnahmen- und Ausgaben-Rechnung. Dadurch können Sie die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens ermitteln. Bedenken Sie dabei bitte folgende Punkte:

  • Haben sie eine Kalkulationsgrundlage für die einzelnen Arbeiten (Stundensatz, Tagessatz, Materialeinsatz)?
  • Wie hoch sind Ihre Kosten für Personal und Geschäftsräume?
  • Wie viel Sie setzen Sie für weitere Kosten an: Reisekosten, Telekommunikation, Steuerberater, Abschreibungen, Marketing und Akquise, Versicherungen, Fortbildung
  • Welche Umsatzrentabilität ergibt sich daraus?

Weitere wichtige Punkte des Businessplans sind die Standort- und Wettbewerbsanalyse sowie die Stärken-Schwächen-Analyse. In dieser Analyse listen Sie sowohl Ihre Stärken und Schwächen, als auch ihre Chancen und Risiken auf.

Der Businessplan dient Ihrer Existenzgründung als Fundament. Auch wenn viele den Businessplan scheuen, ist er für Ihre Selbstständigkeit enorm wichtig:

  • Durch die verschiedenen Schritte des Businessplans durchdenken Sie sorgfältig ihre Geschäftsidee und decken dabei blinde Flecken auf.
  • Für die Beantragung von Fördermitteln ist der Businessplan eine zwingende Notwendigkeit
  • Der Businessplan ist auch für Sie ein Kontrollinstrument. Sie planen für die kommenden 3 Jahre Ihre Einnahmen und Ausgaben. Nach der Umsetzung können Sie immer wieder kontrollieren, wie dicht Sie an den Zahlen sind und Sie können ggfs. schneller umsteuern.

Faustregel: Der Gründer/Die Gründerin ist bei den späteren Einnahmen gut beraten, immer 1/3 der Einnahmen für das Finanzamt zur Seite zu legen.

Des Weiteren ist es ratsam, einen Notgroschen für schlechte Zeiten zurückzulegen, damit Sie auch bei unvorhergesehenen Ereignissen die Zeiten eines Verdienstausfalles überbrücken können, ohne dass Ihr komplettes Geschäftsmodell aus dem Gleichgewicht gerät. Es empfiehlt sich, basierend auf dem Businessplan und je nach persönlichem Sicherheitsempfinden, Rücklagen für etwa sechs Monate bis zu einem Jahr zu bilden.

Die Wirtschaftsförderung Lüchow-Dannenberg steht Ihnen bei der Erstellung des Businessplans unterstützend zur Seite. Es ist ratsam, eine/n Steuerberater/in von Anfang an in Ihr Vorhaben mit einzubeziehen.

Hilfreiche Links zur Erstellung eines Businessplans:
unternehmenswelt.de
existenzgruender.de

5. ANMELDUNGEN BEI BEHÖRDEN UND VERSICHERUNGEN

Unter Punkt 1 wurde bereits auf das Thema „Handwerksrolle“ eingegangen. Neben der Meldung bei der Handwerkskammer ist es wichtig, sich bei der zuständigen Samtgemeinde mit seinem Gewerbe anzumelden. Diese Anmeldung wird direkt an das Finanzamt weitergeleitet, das wenige Tage später per Post auf Sie zukommen wird. Bei den Formularen ist es ratsam, sich auf eine Rechtsform festzulegen. (Mehr zum Thema Rechtsformen.)

Sollten Sie mit der Gründung bereits als Vollerwerbsbetrieb starten, ist zu beachten, dass Sie auch eine Umsatzsteueranmeldung vornehmen.

Adressen der Samtgemeinden zur Gewerbeanmeldung:
Samtgemeinde Lüchow, Theodor-Körner-Str. 4, 29439 Lüchow, samtgemeinde@luechow-wendland.de
Samtgemeinde Elbtalaue, Rosmarienstr. 3, 29451 Dannenberg, info@elbtalaue.de
Samtgemeinde Gartow, Springstr. 14, 29471 Gartow, samtgemeinde@gartow.de

Neben der Gewerbeanmeldung und der Anmeldung bei der Handwerkskammer ist es wichtig, sich bei der Berufsgenossenschaft zu melden und sich dem Thema Versicherungen zu widmen. Bei letzterem spielt die Krankenversicherung eine elementare Rolle. Existenzgründer sollten bei dieser Versicherung darauf achten, nicht zu viele unbezahlte Tage bei Krankheit zu wählen, um die Beiträge niedrig zu halten. Viel eher ist es ratsam, dass das Krankengeld vom ersten Tage der Krankheit bezahlt wird und dadurch fehlende Einnahmen für den eigenen Lebensunterhalt ausgeglichen werden können (Weitere Informationen zum Thema Versicherungen).

Ebenso wird empfohlen, weiter in die Renten- und Arbeitslosenversicherung einzuzahlen, um rundum gut abgesichert zu sein. Neben den privaten Versicherungen gilt es dann auch Versicherungen für Ihren Betrieb abzuschließen. Nehmen Sie hierzu Kontakt zu Ihrem Versicherungspartner des Vertrauens auf und lassen Sie sich umfassend beraten. Vergleichsangebote schaden dabei nie.

6. KUNDEN AKQUIRIEREN
UND NETZWERK ERWEITERN

Sind die Anmeldungen abgeschlossen, muss der Existenzgründer/die Existenzgründerin auf sich und das Unternehmen aufmerksam machen. Dabei hilft ein Marketingplan, der die einzelnen Maßnahmen beinhaltet, die Sie umsetzen möchten.

Visitenkarten, eine gute Website sowie eine gute Sichtbarkeit in Suchmaschinen und Social Media-Kanäle gehören in der heutigen Welt zum guten Ton und zu jedem professionellen Auftritt dazu.

Ebenso können Anzeigen in den Printmedien ein geeignetes Mittel sein, um den Bekanntheitsgrad zu steigern (hier ist eine Kosten/Nutzenabwägung im besonderen Maße geraten). Schauen Sie sich auch bei  der erfolgreichen Konkurrenz um, wie diese im Bereich Marketing aufgestellt sind.

Bevor Sie sich über das „Wo?“ Gedanken machen, sollten Sie sich über das „Was?“ im Klaren sein – denn es ist essentiell, zunächst zu wissen, was Sie überhaupt kommunizieren möchten.

Hilfreiche Fragen dabei sind:
• Warum soll sich der Kunde für mich entscheiden?
• Was biete ich, was die Konkurrenz nicht bietet?
• Was sind meine Alleinstellungsmerkmale?
• Was sind meine Erfolgsindikatoren?

Hier kann auf den Businessplan zurückgegriffen werden, da ähnliche Fragen dort im Idealfall schon beantwortet sein sollten.

Des Weiteren gehört auch die Erstellung einer sogenannten „Corporate Identiy“ zum Handwerkszeug. Ihr Unternehmen benötigt ein Logo, eventuell auch einen Claim (Werbespruch) und eine einheitliche Farbigkeit. Dieses kann wiederum für die verschiedenen Kommunikationsmittel genutzt werden und stellt einen Wiedererkennungswert her.

Heutzutage stehen auch „weiche“ Faktoren immer mehr im Fokus von erfolgreichen Unternehmen. Die Kunden entscheiden sich neben Kriterien wie der Qualität der abgelieferten Arbeit auch auf Grund von Persönlichkeit oder einem sympathischen Auftreten für die Inanspruchnahme der jeweiligen Dienstleistung. Neben einer (persönlichen) Vorstellung z.B. auf der Webseite bieten Social Media Kanäle hier ein ideales Werkzeug, um potenziellen Kunden mit Fotos, kurzen Arbeitsbeispielen oder Videosequenzen einen Einblick in die eigene, alltägliche Arbeit zu bieten.

Die Fragen im Hintergrund könnten sein:
• Was würden Sie sich selbst gern für Inhalte anschauen?
• Was würde Sie an Stelle des Kunden interessieren?

Auch Hinweise auf externe, für den Kunden relevante Inhalte in Form von Links und der Teilen-Funktion können sinnvoll sein und dabei helfen, die eigenen Kanäle regelmäßig mit Inhalten zu füllen. Ein Beitrag mindestens einmal alle zwei Wochen wäre hier empfehlenswert – natürlich immer im Rahmen des Machbaren.

Hinweis:
Sollten Sie sich die Realisierung dieser Punkte nicht zutrauen, suchen Sie sich jemanden, der sich damit auskennt und/oder Ihnen bei der Beantwortung solcher Fragen zur Seite stehen kann. Neben der Unterstützung durch professionelle Dienstleister kommt gegebenenfalls auch eine Person aus Ihrem Bekanntenkreis in Frage.

Wenn die Qualität Ihrer Arbeit stimmt, ist trotz allem die Mund-zu-Mund-Propaganda im Handwerk noch immer das beste Werbemittel.

In diesem Zusammenhang ist auch ein gutes Beschwerdemanagement in der Kundenkommunikation wichtig, denn nur so können Sie Kunden langfristig an sich binden und weiter von Empfehlungen profitieren. Sehen Sie sich zudem nach möglichen Kooperationen mit qualitätsvollen Handwerkern um. Denn auch durch Zusammenarbeit können Sie Ihren Kundenkreis erhöhen. Interessant sind auch bestehende Netzwerke und Vereine, denen Sie beitreten können, um Ihren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Insgesamt gilt: Jeder macht einmal Fehler. Dieses sollten Sie sich von Anfang an zugestehen. Damit professionell umzugehen, ist die halbe Miete.

7. QUALITÄTSVERSPRECHEN

Schaffen Sie sich möglichst Freiräume, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Verordnungen, Technik und Materialien verändern sich im Laufe  der Zeit. Kontaktieren Sie regelmäßig ihre Netzwerke, welche Weiterbildungen, neue Technik oder Materialien helfen können. Tauschen Sie sich regelmäßig mit befreundeten Handwerkern/innen aus, um auf dem Stand zu bleiben. Nur so können Sie langfristige für eine hohe Qualität sorgen.