“Es muss für beide passen“

Ein Chef und seine potenzielle Nachfolgerin: Bei Franz Zahntechnik in Dannenberg geht man das Thema Nachfolge mit Hilfe der Landwerkstatt an.

Von Christiane Beyer, aus der EJZ vom 13.10.2018

Michael Franz, Inhaber von Franz Zahntechnik in Dannenberg, seine Mitarbeiterin und mögliche Nachfolgerin Andrea Belitz (rechts) mit Sarah Fandrich vom Projekt Landwerkstatt der Wirtschaftsförderung, das sich in Sachen Unternehmensnachfolge engagiert. Aufn.: Ch. Beyer (EJZ)

Dannenberg. Michael Franz, Zahntechniker in Dannenberg, macht sich schon länger Gedanken darüber, was mal aus seinem Labor wird, wenn er in Rente geht. Das ist noch eine Weile hin, denn Franz ist erst 62. Er könnte das Labor dichtmachen und die Räume zu altengerechten Wohnungen umbauen. Er könnte es auch an einen Externen verkaufen – oder es an seine vieljährige Mitarbeiterin Andrea Belitz übergeben. Die kann sich mit dieser Idee ihres Chefs durchaus anfreunden. Seit 27 Jahren arbeitet die 47-Jährige in dem Labor, kennt die Arbeit und die Kunden und weiß, wie welcher Zahnarzt was haben will.

Aber soll sie den Betrieb wirklich übernehmen? Denn sie kann sich auch vorstellen, aus dem Landkreis wegzugehen und ganz woanders zu leben und zu arbeiten. Und überhaupt: Will sie selbstständig sein? Schließlich wäre sie bei der Übergabe Anfang 50. Und wie funktioniert das überhaupt, was muss sie beachten?

Für ungeklärte Fälle wie diese gibt es seit einem Jahr das Projekt Landwerkstatt der Wirtschaftsförderung Lüchow-Dannenberg. Deren Aufgabe ist es, Unternehmensnachfolger und Existenzgründer zu schulen, mit dabei ist der Gründungsservice der Leuphana in Lüneburg. Andrea Belitz ist eine von sechs gestarteten – und von vier bis zum Schluss dabeigebliebenen – Teilnehmern der ersten Fortbildungsreihe. Und sie ist voll des Lobes über das Wissen, das sie in den 45 Stunden erhalten hat. Am Ende habe sie selbst zwar keinen Businessplan erarbeitet, dafür aber eine Menge Informationen bekommen, die wichtig sind, um eine Entscheidung zu fällen.

Denn zurzeit ist immer noch offen, ob sie wirklich die Nachfolge antreten wird. Einerseits ist noch Zeit, andererseits wollen Andrea Belitz und ihr Chef Michael Franz diese Zeit auch nutzen. Sich informieren, nachdenken, wieder diskutieren, Lösungen finden. Wenn, dann soll die Übergabe gut vorbereitet sein, denn sie soll „für beide Seiten funktionieren“. Gemeinsam haben sie einen Termin beim Steuerberater vereinbart. Sie ahnen, dass sie mehrmals hingehen werden: „Zuhören, sacken lassen, drüber reden, wieder hingehen.“

Als die Landwerkstatt im Frühjahr zu einem ersten Info-Abend einlud, war das für die beiden Zahntechniker der Startschuss, das Thema Nachfolge, das bis dahin „so herum schwebte“, etwas ernster anzugehen. Den Abend haben beide als sehr hilfreich in Erinnerung. Michael Franz fand es gut, dass die Betriebsinhaber eingebunden wurden. Und er hätte es noch besser gefunden, wenn es auch in der Fortbildungsreihe, an der seine Angestellte als potenzielle Nachfolgerin teilnahm, auch ein Modul gegeben hätte, das sich an die abgebenden Chefs richtet.

So kam seine Mitarbeiterin Andrea Belitz nach jedem der sechs Wochenenden wieder ins Labor und berichtete, was besprochen wurde. Beiden wurde klar, was sie alles noch klären müssen. Zum Beispiel den Preis. Michael Franz ahnt, dass Arbeitgeber ihr Unternehmen immer als zu teuer einschätzen, aber er weiß, dass es Gutachter der Handwerkskammer gibt, die es bewerten. Doch möglicherweise wäre auch diese Summe Andrea Belitz noch zu hoch. Deshalb könnte es eine Möglichkeit sein, dass der Chef zwar aufhört und Belitz das Labor als angestellte Geschäftsführerin übernimmt. Schon jetzt arbeitet sie sich in die Büroarbeit ein, eine Aufgabe, die bislang Michael Franz‘ Ehefrau erledigte.

Und dann ist da noch ein Problem, nämlich fehlende Fachkräfte. Michael Franz würde sofort einen Zahntechniker oder eine Zahntechnikerin einstellen. Vom Arbeitsamt weiß er, dass sich drei Leute bei ihm vorstellen sollten – gemeldet habe sich keiner. Alleine will und kann Andrea Belitz das Labor nicht weiterführen – und Arbeit gebe es genug.

Michael Franz und Andrea Belitz empfinden die Landwerkstatt als Glücksfall, andere Handwerker und ihre potenziellen Nachfolger sollten sie nutzen: „Es ist für einen selbst, umsonst und hier vor Ort.“ Mehr Informationen gibt es bei der Projektmanagerin Sarah Fandrich. Sie ist zu erreichen in der Wirtschaftsförderung Lüchow-Dannenberg in der Salzwedeler Straße 13 in Lüchow, Telefon (0 58 41) 973 139 5, E-Mail: fandrich@wirtschaft-dan.de.

Zum Artikel aus der Elbe-Jeetzel-Zeitung (13.10.2018)